Faszination Fußball – Werder Bremen vs HSV

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Fußball ist eine Männerdomäne. Und im Stadion sind nur Männer. Echt? Ist das so? Ich war beim Spiel SW Werder Bremen gegen HSV und lest mal, was ich so erlebt habe…

In den letzten Jahren hat sich Fußball drastisch verändert. Wenn man sich im Stadion umschaut, dann sieht man viel weibliche Bevölkerung. Bei WM und EM noch wesentlich mehr, als bei Bundesligaspielen. Doch nicht nur das hat sich verändert, auch das Verhalten. Früher schauten die Männer lieber alleine Fußballspiele (unter Männern halt). Heute sitzen sie mit ihren Freundinnen und Freunden zusammen und schauen gebannt auf den Fernseher. Doch Klischees halten sich standhaft.

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Es wird hier nicht technisch das Spiel auseinandergenommen, denn ich muss gestehen, ich bin einfach nur Zuschauer / Beobachter und technisches Fußball-Know-How fehlt mir (wie so ziemlich vielen Menschen – behaupte ich jetzt mal frech).

Ich war beim Nordderby SV Werder Bremen gegen den HSV. Für Nordlichter definitiv ein ganz wichtiges, vor allem aber emotionales Spiel. Zwei Traditionsvereine, zurzeit leider eher auf den letzten Plätzen vertreten (was ich persönlich sehr traurig finde), stehen sich gegenüber. Zuletzt hörte ich von einem Hamburger Kollegen, er hätte die Antipathie gegen Bremer bereits in seiner DNA. Schwieriges Thema, aber ich bin nun mal mit Werder aufgewachsen. Was soll ich sagen, ich bin gebürtige Bremerin. Wenn man in Bremen wohnt, ist das unvermeidlich. Auch wenn ich seit Jahren nicht mehr in Bremen wohne, ist da doch immer noch diese Verbundenheit.

Jetzt wohne ich in Hamburg. Schon lustig, dass beide Mannschaften jetzt gegeneinander spielen.

Ich saß da also auf der Pressetribüne, mit meinem Kaffee in der Hand, zwischen den HSV Fans und fieberte für Bremen mit.

 

Atmosphäre – Werder vs HSV

Wenn man im Stadion ist, dann hat die Atmosphäre eine ganz besondere Bedeutung. Ob HSV Fan oder nicht, aber wenn Lotto King Karl sein „Hamburg meine Perle“ singt und die Menge mitmacht, bekommt man eine Gänsehaut. Die Fans jubeln und singen und der Boden bebt in vielen Rängen nahezu. Egal ob es warm oder kalt ist, aber es geht durch und durch. Die Fans halten ihre Banderolen und Fahnen hoch und stimmen sich auf das Spiel ein. Und auch die Gäste machen mit. Ich fand die Gästetribüne im Übrigen ziemlich klein. Ist das immer so… Ich muss mal prüfen, ob das in anderen Stadien genauso ist.

Aufregung

Werder Spieler ein Einlauf ins Stadion Foto Credit: Dimitri Ismer

Werder Spieler beim Einlauf ins Stadion Foto Credit: Dimitri Ismer

Die Mannschaften betreten das Spielfeld. Die Menge jubelt oder buht, je nachdem wer gerade kommt. Dann geht es los. Ich bin einfach viel zu engagiert und temperamentvoll. Mich macht das fertig. Wenn ich sehe, wie die Gegenmannschaft sich den Weg durch die Werderspieler bahnt und fast ein Tor schießt. Würde ich an den Nägeln kauen, wären sie jetzt definitiv kurz. Dann wird hin und hergeschossen und gefühlt sind immer mehr Männer der Gegenmannschaft auf dem Feld. Was natürlich nicht der Fall ist.

Tor

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Dann… schießt HSV ein Tor und die Menge jubelt. Nach nur 5 Minuten. Hey, was ist den los mit den Bremern. Das ist ja schon mal kein guter Start für die Gäste. So ein Tor ist auch immer demoralisierenden. Das kennt man von sich selber. Wenn man erstmal down ist, ist es schwieriger wieder hochzukommen. Was ist ein Spiel ohne Tore? Meistens ziemlich langweilig. Ok, die Bremer geben Gas und TOOOOOR. Auch sie schießen ein Tor. Aber ich bin in solchen Dingen immer skeptisch. Beim Unentschieden geht immer noch was. Meistens in letzter Sekunde. Aber ist ja noch erste Halbzeit. Und zack, war ja klar. HSV schießt ein Tor. 2:1 für HSV. Ich sehe den Trainer der Bremer Mannschaft sich die Haare raufen. Wie gut kann ich ihn verstehen. Wäre ich da unten, würde ich meinen Spielern die Meinung geigen. Aber Moment. Psychologisch geht das natürlich nicht, denn dann spielen sie noch schlechter. Man muss ja motivieren, wie im Job. Gott, bin ich froh, dass ich nicht unten stehe. Von mir aus betrachtet, finde ich beide Mannschaften nicht so berauschend. Was ich nicht verstehe ist, wenn die Spieler ständig zurück zum Torwart schießen. Warum macht man das? Hat das einen speziellen Begriff? Ich, Klugscheißer würde nach vorne schießen, immer aufs Tor der Gegner. Nicht immer dieses hin- und her, als hätten sie alle Zeit der Welt. Die haben sie nicht. So ein Spiel hat nur 90 Minuten + Nachspielzeit. Wenn man zurück liegt, muss man dann nicht mehr Gas geben? Die hochgelobten Spieler. Wo sind sie denn? Ich seh nix. Wieder geht es hin und her und auf einmal lichtet sich das Feld und der Gnabry hat den Ball. Es sieht ein bisschen so aus, als würde er damit spazieren gehen. Und locker und leicht haut er das Teil in das Tor. Na endlich. Viel haben wir von ihm ja nicht gesehen heute. 2:2. Halbzeit. Ok, aufwärmen, Kaffee trinken und ein bisschen Small Talk. Danach geht es weiter. Und auch wenn beide Mannschaften etwas motivierter sind und anscheinend versuchen mehr Gas zu geben. Viel passiert da nicht. Ein paar „fast“ Treffer, sind KEINE Treffer. Also wertlos. Bäh, bin ich böse. Nach 90 Minuten + 3 Minuten wird abgepfiffen. Gleichstand. Ach ich denke, damit können wir doch leben. So muss keiner traurig sein. Kein Gewinner und kein Verlierer.

Abpfiff! Das #Nordderby endet mit einem 2:2. #nurderHSV

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Zweimal 👎🏻, zweimal 👍🏻! Zur Halbzeit steht es 2:2. #Nordderby #hsvsvw #Werder #Bremen #svw #nordphoto

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Klischee

Es hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Frauen beim Fußballspiel immer quatschen. Um mich herum saßen nur Männer und die haben in einer Tour geredet. Ich fand das schon fast nervig. Ich brauche keine Kommentatoren im Nacken. ICH habe nicht geredet, obwohl der Mann neben mir sehr nett war. In der Pause haben wir ein bisschen gequatscht, aber während des Spiels brauche ich keine Ablenkung. Außerdem bin ich ja nicht blind. Und ICH bin eine Frau. Ich habe mich umgesehen und auch die anderen Frauen in der Menge sahen nicht so aus, als wären sie in irgendwelche Unterhaltungen verstrickt oder würden sich nebenbei die Fingernägel lackieren. Warum also dieses Klischee? Oder wurden die Rollen inzwischen getauscht?

Claudia

Fazit:

Ich könnte definitiv nicht den Job des Trainers machen, auch nicht nicht eines Co Trainers oder des Co-Co Trainers. Ich würde wohl ausflippen, wenn die Spieler nicht das tun, was ich jeden Tag mit ihnen übe. Ich würde am Spielfeldrand wie Rumpelstilzchen auf und ablaufen und pöbeln. Wahrscheinlich würde mich der Schiri vom Platz schicken (wie den Schmidt von Bayer Leverkusen). Dann diese ständigen Nörgler und Besserwisser. Wie man das hätte besser machen können oder das. Ja genau, von außen betrachtet ist ja alles so easy.

Und dann würde ich an einem Herzinfarkt sterben. Ich könnte nicht locker rumsitzen und zuschauen. Das kann ich ja so schon nicht. Wenn es brenzlig wird, dann schau ich weg. Wie bei Horrorfilmen, wo ich das Kissen vor meine Augen halte. So ungefähr geht es mir, wenn ich sehe, dass die Gegenmannschaft am Tor „meiner“ Mannschaft “rumtanzt”. Das ist viel zu aufregend. Wenn ich WM oder EM schaue, dann bin ich (natürlich in erster Linie) für Italien. Und wenn ich sehe, dass diese Spieler es nicht schaffen, den Ball ins Tor zu schießen, schalte ich den Fernseher aus. Alle meine Freunde würden behaupten, ich bin kein Fußballfan. Die Wahrheit ist, dass mich das fertig macht. Das Schlimmste ist, wenn die Phase mit den “Elfmeter-Schießen” beginnt….!!

Ich bin einfach zu emotional. Am Ende tut mir die Mannschaft leid – die Spieler, die traurig vom Platz gehen. Da setzt mal wieder meine Empathie ein. Ich leide mit ihnen.

Wie bei allen Dingen die ich mache, bin ich mit Leidenschaft und Herzblut dabei.

Aber…irgendwie habe ich Blut geleckt. Das war wirklich lustig so live dabei. Ist das vielleicht der Anfang einer wunderbaren Freundschaft… 😉

 

Was würde euch denn noch so im Fußball interessieren? Schreibt mir und ich gehe der Sache auf den Grund.

2 Comments

  1. Anne

    November 27, 2016 at 4:13 pm

    Super Beitrag und bei deiner Beschreibung zum Thema Klischee kann ich nur nicken. Auch die Herren der Schöpfung in Schwarz/Gelb schnacken lieber anstatt das Spiel zu verfolgen und das bei Stehplatz. Stößt auch bei mir auf völligstes Unverständnis. Vielleicht liegt das an der Liga? Beim DSC ist mir das noch nicht aufgefallen, da ist Spannung pur, egal bei welchem Geschlecht und alle Augen sind auf den Rasen gerichtet. Der HSV hat ja gute Chancen sich in der nächsten Saison den direkten Vergleich zur Stimmung in der 2. Liga abzuholen. 😉

    • nonsoloamore

      November 27, 2016 at 6:08 pm

      Vielen lieben Dank! Haha, ja anscheinend ist das in vielen Stadien so, dass die Herren dann doch gerne schnattern. 😉 Ja und mit HSV… es sieht ziemlich schlecht aus im Moment… Oh,oh.

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