72 Stunden in Kopenhagen

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Es ist ungefähr 9 Uhr morgens und Ernüchterung macht sich breit, weil ich feststelle, dass der Kaffee, der auf Plakaten sogar angeworben wird, keine Filiale innerhalb der Fähre von Puttgarden rüber nach Dänemark ist, sondern einfach nur ein Kaffeeautomat ist, der namenhafte Kaffeebohnen verwendet. Mein Ehemann holt sich einen Granatapfel-Cidre, weil ich ihm von Cider vorgeschwärmt habe, den man in Skandinavien in jedem Supermarkt bekommt.
In meiner Kindheit und in meiner Jugend war ich quasi eine Wochenend-Dänin – deswegen bin ich umso gespannter, nach fast 10 Jahren wieder nach Dänemark zu fahren. In der Zwischenzeit habe ich in Göttingen gelebt und habe andere Länder entdeckt außerhalb des Skandinavischen Kosmos, mit dem ich als Kind aufgewachsen bin.
Und nun sitze ich eben in der Fähre in Richtung Kopenhagen. Diese Stadt war eine der wenigen in Dänemark, die ich nur wenige Male besucht habe, weil es einfach sehr teuer ist und meine Eltern eher auf Ferienhausurlaub standen. Zum Glück gibt es heute Airbnb und so können wir Kopenhagen erstmals erleben wie ein Bewohner der Hauptstadt Dänemarks.

Kopenhagen im Schnee

Gleich nach der Ankunft stellen wir fest, dass das Wetter uns bei diesem Urlaub ein wenig im Wege stehen wird, da wir einige der Attraktionen leider definitiv nicht fotografisch festhalten können. Dazu gehört auch der Park Superkien, der sich direkt bei unserer Unterkunft befindet. Dieser ist ein Kunstprojekt in Kooperation mit einer deutschen Landschaftsarchitekturbüro, der seit 2012 existiert. So zugeschneit sieht man nur ein paar Graffitis und ein paar verschneite Halfpipes, aber sonst nichts. 72 Stunden in Kopenhagen – was tun bei schlechtem Wetter? Glücklicherweise ist Kopenhagen so vielfältig, dass auch ein verregneter oder verschneiter Urlaub nicht mit Bingewatchingabenden im Hotel oder airbnb enden muss.

Christiansborg
Ein großes Kompliment muss man Kopenhagen machen, weil es wirklich viele tolle Attraktionen gibt, die völlig kostenlos sind. Den Ruf, eine teure Stadt zu sein, hat Kopenhagen nicht verdient, denn tatsächlich gibt man auch nicht mehr als in einem anderen Urlaub aus – eben nur für andere Dinge. Christiansborg mitten im Herzen der Stadt ist eine davon und ein Muss für jeden Kopenhagentouristen. Aber nicht nur die Aussicht ist eine ganz besondere, auch das Gebäude an sich ist weltweit einzigartig, da es alle drei Staatsgewalten in sich vereint – Exekutive, Judikative und Legislative unter einem Dach, Angenehm an dem Aufstieg zum Aussichtspunkt ist auch, dass nach dem Sicherheitscheck ein Aufzug einen bequem zunächst auf eine Zwischenebene mit einem Restaurant bringt. Von da aus ist der Ausblick nur noch einen Aufzug und eine kleine Treppe entfernt. Der Blick über Kopenhagen mit Tafeln erklären, welche Gebäude man sieht und an Tagen mit guter Sicht soll man rüber nach Schweden auf die Stadt Malmö gucken können.

Nyhavn
Wenn ein Postkartenmotiv neben der kleinen Meerjungfrau von Dänemark existiert, dann ist es wohl der wunderschöne und pittoreske Hafen, in dem einst schon Hans Christian Andersen gelebt hat.Die Realität sieht leider oft anders aus als auf Postkartenmotiven, denn selbst schon früh morgen ist alles voller Leute, die Selfies machen und mit ihren Selfiesticks  und Go Pros waghalsig hantieren. Nun hatte das Winterwetter aber auch etwas Gutes, denn Kopenhagen mit dicken Eisschollen sieht man nicht alle Tage. Neben Fotos kann man auch dort gute Restaurants und Hotels finden – diese Ecke von Kopenhagen ist eben Tourismus pur. Das ist nicht für jeden geeignet, wenn man aber nur kurze Zeit in Kopenhagen ist, ist es ideal, sich hier eine Unterkunft zu suchen.

Christiana
Auch wenn ich ein alter Hase bin, was Dänemark angeht und mich in Arhus oder Kolding besser auskenne als in manch deutschen Städten, ist Christiana für mich Neuland. Meine Eltern wollten natürlich als Kind nicht, dass ich durch Christiana gehe – wahrscheinlich wurde davor in irgendeinem Reiseführer gewarnt. Allerdings hatte ich mir Christiana deutlich krasser vorgestellt, als es dann war. Für uns war der Besuch dort auch nicht anders als in Amsterdam oder Köln-Ehrenfeld. Wer außergewöhnliche Architektur oder Streetart mag, wird hier auf jeden Fall fündig. Aber vielleicht war dies auch nur den winterlichen Temperaturen geschuldet und im Sommer ist die Freistadt belebter und farbenfroher.

Organic und Botanik
Raw Und Organic sind die zwei Worte, die uns in jeder Ecke vom Kopenhagen anspringen – selbst zahlreiche Friseure der dänischen Hauptstadt werben damit, ein “organic hairdresser” zu sein. Allgemein ist Kopenhagen eine Stadt, in der der Trend zur Nachhaltigkeit eine große Anhängerschaft findet und gilt als nachhaltigste Stadt Europas.

Kopenhagen ist zwar ein wenig teurer als die meisten deutschen Städte, wenn man Essen geht, aber dieses Geld spart man aber wiederum bei vielen anderen Dingen. Es gibt, wie bereits oben erwähnt, zahlreiche kostenlose Museen und ebenso kostenlose, schöne Orte, die man besuchen kann. Neben der kleinen Meerjungfrau, die eben das Wahrzeichen von Kopenhagen ist und in der Nähe eines schönen Parks liegt, ist mein absoluter Geheimtipp an Tagen mit schlechten Wetter der Botanische Garten, der sich zentral in der Innenstadt befindet. Dessen Außenanlagen machen nicht nur verschneit ein fast verwunschenen Eindruck. Besonders das Palmenhaus des Botanisk Have ist ein wundervolles Motiv für tropisch anmutende Urlaubsfotos mitten im Grün. Wer ein wenig Dänisch lesen kann, lernt etwas über die verschiedenen Gewächse (Ich habe meinem Ehemann einfach alles übersetzt). Und natürlich kann man sich auch dort einfach auch bei warmen Klima dort auf einer Bank Platz nehmen und ein Buch lesen.

Auch im Bereich Kulinarisches gibt es tolle Locations mit Essen in Bioqualität: In Kopenhagen habe ich tatsächlich den leckersten Salat der Welt gefunden. Bei The Organic Boho gibt es veganes Feel Good Essen aller Art mit Wohlfühlfaktor. Allerdings ist zu beachten: Hier kann man nur mit Karte zahlen. Die Preise sind dafür aber auch absolut bezahlbar und das blumendekorierte Essen nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch wunderbar. Während ich einen pinken Rainbow Latte mit Pitahayapulver schlürfte für 45 DKK (etwa 6 Euro), der herrlich fruchtig schmeckte, hatte mein Mann einen Saft mit Kurkuma und Pfeffer, eine sehr interessante und pikante Kombination. Dazu gab es einen Wrap mit Edamame für 89 DKK (etwa 11 Euro) und eben den Salat “I am strong” für ebenfalls 89 DKK mit unter anderem Kichererbsen, geräucherte Mandeln und Süßkartoffelraspeln – eine tolle Kombination, die bei jeder Gabel zu einer kleinen Geschmacksexplosion im Mund führt. Wer auf interessante Restaurantkonzepte wie California Kitchen oder Fusionsküche steht, wird hier in Kopenhagen definitiv fündig, denn es gibt eine große Auswahl an erstklassigen Essen.

Die Innenstadt und der Tivoli
Kopenhagen hat die zweit längste Einkaufsstraße Europas – für genug Shoppingmöglichkeiten ist hier also gesorgt. Um die Läden, die man aber ohnehin überall findet, kann man getrost einen großen Bogen machen. Empfehlenswert hingegen sind kleine Boutiquen mit Mode skandinavischer Designer oder auch Möbelläden. Klare Linien und moderner Stil mit Stücken, die man eben nicht in jedem IKEA findet. Und wer sich wundert: Auch für Alkohol und Süßigkeiten gibt es extra Läden in Dänemark.
Ein sehr markantes Aushängeschild der Innenstadt ist neben den zahlreichen Einkaufsläden auch der Tivoli ein kleiner Vergnügungspark und grüne Oase mitten in der Stadt, der mit seiner Eröffnung im Jahre 1843 als einer der ältesten Freizeitparks der Welt gilt. Natürlich kostet der Park Eintritt, aber ich kann es jedem empfehlen, der mit Kindern in Kopenhagen ist, dort einmal in wenig Zeit zu verbringen und die Fahrgeschäfte auszuprobieren. Es ist eben schon ein einzigartiges Erlebnis, wenn man umgeben von den Häusern einer Innenstadt in Fahrgeschäften in altehrwürdiger und edler Optik fährt. Insbesondere die Rutschbanen, eine Achterbahn aus dem Jahr 1914, ist ein Erlebnis, dass man sonst an kaum einen Ort so findet. Und es empfiehlt sich, bis abends im Park zu bleiben, da er nach Einbruch der Dunkelheit wundervoll illuminiert ist.

Die Markthallen
Der zweite Tag beginnt für uns mit einer reichhaltigen Auswahl und leckerem Essen in den Markthallen. Es gibt dort wirklich alles, was das Herz begehrt vom Quinoasalat bis hin zu dänischen Leckereien wie den Kartoffelkuchen oder den typischen Polstern. Kartoffelkuchen ist kein Kuchen aus Kartoffeln, sondern ein lockerer Buiscuitteig mit Vanillecreme und einer Haube mit kakaogepuderten Marzipan, was an die Optik eines Erdapfels erinnert.

Die Markthalle ist nicht nur ein toller Ort, um Essen auszuprobieren – sie ist auch ein sehr angenehmer Ort, weil man sich als Selbstversorger dort prima mit frischen Obst und Gemüse eindecken will. Hier findet man nicht nur Touristen, sondern eben auch zahlreiche Einheimische, die sich ihr Lunch holen oder entspannt an der Weinbar den Abend ausklingen lassen.

Nationalmuseum

Leider hatten wir bei unserem 72 Stunden Kopenhagen trip nicht so viel Glück mit dem Wetter und so mussten wir den zweiten Tag größtenteils innerhalb von Gebäuden verbringen, um den Schneesturm und dem eisigen Wind zu entgehen. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Museen, die man umsonst besuchen kann wie das  Nationalmuseum. Dieses Museum hat eine derartig große und reichhaltige Ausstellung, dass man es bei einem Mal gar nicht schaffen kann, diese zu Genüge zu betrachten – allein dieses Museum hilft also, ein oder zwei Tage mit schlechten Wetter zu überbrücken.

De blå Planeten
Für Familien ist es ein absoluter Muss, das Aquarium in der Nähe des Flughafens zu besuchen. Und auch für Leute, die auf ihren Abflug warten ,ist es eine gute Gelegenheit dieses Aquarium zu besuchen, da man dort günstig für 10 Kronen, also etwa 1,30 Euro, euer Gepäck lassen könnt. Wie nehmen dieses Angebot auch natürlich war und sind ein wenig überrascht, wie viele kleine Kinder hier sind. Kinder bis drei Jahren haben freien Eintritt – das ist vielleicht nicht jedermanns Sache und wer kein Freund von Kindergeschrei oder einem zeitweise hohen Lautstärkepegel ist, sollte den Besuch auf die Nachmittagsstunden verlegen. Dafür werden wir belohnt mit großen und schönen Aquarien, in dem Haie und riesige Rochen schwimmen. Das größte Aquarium Nordeuropas ist natürlich nicht ganz billig, dafür kann man hier gut einige Stunden verbringen. Neben einem Restaurant kann man auch mitgebrachtes Essen verspeisen oder draußen den Blick aufs Wasser genießen. Leider sind nicht alle Fütterungen in Englisch, daher macht es nur Sinn zur großen Fütterung im größten Becken zu gehen, die auf jeden Fall auf Englisch übersetzt wird.

Anreise, Transport und Übernachtung
Die Anreise nach Kopenhagen ist von Deutschland aus sehr bequem und einfach. Sowohl Bahn als auch mit Auto oder per Flug kann man die Stadt kostengünstig erreichen. Innerhalb der Stadt empfehle ich allerdings nur für Hartgesottene, sich Nahverkehrsticket zu holen. Das liegt weniger an der Metro und mehr an den Bussen, denn diese sind oft sehr voll und sehr unpünktlich. Mit dem 72 Stunden Ticket, das  umgerechnet ungefähr 22 Euro kostet, kann man alle Zonen mit Bus und Metro befahren. Wer allerdings das Glück hat, bei guten Wetter in Kopenhagen zu sein, dem empfehle ich das Fahrrad, um innerhalb der Stadt von A nach B zu kommen.  Kopenhagen ist eine  Fahrradstadt und mit dem Fahrrad kann man wunderbar die gesamte Stadt erkunden und auch größere Touren machen. Es gibt sogar gratis Fahrräder innerhalb der Stadt, die man an vielen Touristenhotspots findet und man für 20 DKK Pfand leihen kann. Leider nicht möglich ist eine Fahrradtour über die Öresundbrücke nach Schweden in die Stadt Malmö. Wer dorthin einen Tagesausflug machen möchte, kann dies mit der Bahn machen.
Was die Übernachtung angeht, gibt es viele schöne Hotels und auch eine gute Auswahl an bezahlbaren Airbnbs in guter Lage. Wer gerne als Selbstversorger Kopenhagen wie ein Einheimischer erleben möchte, dem kann ich ein Airbnb ans Herz legen.

Metro und Flughafen
Während die Busse in Kopenhagen ein eher schlechten Ruf genießen, ist die Metro schon ein kleines Prunkstück von Kopenhagen. Sie fährt komplett autonom und so kann man einen ganz besonderes Erlebnis haben. wenn man sich direkt vorne in die Metro sitzt und einen Blick erlebt, den sonst nur Lokführer haben.
Der Flughafen von Kopenhagen wird gerade umgebaut und ist klein aber fein. Allerdings hat man momentan das Gefühl, dass man ein bisschen beengt ist. Ein ganz anderes Gefühl als im Hamburger Flughafen. Wer schnell reisen möchte, kommt am Flughafen nicht vorbei, hat aber durch die Metro eine gute Anbindung an die Innenstadt. Wer den Bussen oder lange Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad entgehen möchte, sollte also nach Möglichkeit ein Hotel in der Nähe des Flughafens nehmen.

Die Währung
In Zeiten von Euro in fast allen europäischen Ländern ist man überhaupt nicht mehr gewohnt umzurechnen und so hatte mein Ehemann einen halben Schock, als wir am ersten Abend in den Supermarkt gegangen sind und Sachen kaufen wollten. Da stand plötzlich 50 DKK und 70 DKK für Lebensmittel. Die skandinavischen Länder haben hat immer noch ihre Kronen und so muss man sehr darauf achten, wie viel man ausgibt. Generell gilt: Man gibt schon etwas mehr Geld aus in Dänemark, aber so viel mehr als  in Deutschland zahlt man auch nicht. Wer dennoch sicher gehen will, öffnet seine Taschenrechner App auf dem Smartphone und googelt den aktuellen Wechselkurs. Man kann ja nie wissen.

Fazit
Kopenhagen ist immer eine Reise wert und das Vorurteil, dass diese Stadt eine Schönwetterstadt sei, ist definitiv nicht wahr. Dennoch denke ich, ich komme das nächste Mal bei guten Wetter wieder. Glücklicherweise kann ich als Norddeutsche auch spontan günstig zu dieser Metropole im Norden.

 

4 Comments

  1. Tobias Thomann

    April 17, 2018 at 9:29 am

    Der Kopenhagen Post ist grandios! Sehr viele nützliche Dinge erfahren für meine Reise im Juli! Vielen Dank für den Beitrag gerne mehr davon.

    • Bettina Barth

      April 17, 2018 at 9:51 am

      Dann wünsche ich dir viel Spaß in Skandinavien – ich bin gespannt, wie dir der hohe Norden gefällt. Bislang warst du ja nur auf Island.

  2. Christine

    April 17, 2018 at 10:42 am

    Ich kenne Kopenhagen von vielen Besuchen. Diese Geheimtipps kannte ich noch nicht. Beim nächsten Besuch werde ich einige Tipps nutzen Copenhagen is waiting for us!

    • Bettina Barth

      April 17, 2018 at 5:23 pm

      Ja, viele denken bei Kopenhagen nur an Tivoli und eben die typischen Sehenswürdigkeiten, aber es gibt so viel mehr zu entdecken! Vielen dank für deinen Kommentar!

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