Abenteuer Ziplining in Schweden

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Die meisten meiner Unterhaltungen zum Thema Ziplining begannen damit, dass ich erst einmal erklären musste, was das überhaupt ist. Eigentlich hätte ich gedacht, dass dieser Outdoorsporttrend genauso bekannt ist wie Bouldern oder Hochseilgärten. Aber die meisten aus meinem Freundeskreis konnten sich kein Raum darauf machen. Also habe ich es so erklärt: Die meisten von uns kennen diese Seilbahnen auf dem Spielplatz. Damit kann jeder etwas anfangen. Nun stelle man sich das Ganze ein bisschen höher, ein bisschen schneller und ein bisschen weiter vor als das beliebte Spielgerät auf dem Spielplatz. Und an diesem Punkt ist die Unterhaltung nicht zu Ende. Nein, sie hat erst begonnen. Denn dann kommen natürlich noch mehr fragen.

Schweden, das verbindet man mit den typischen roten Holzhäusern. Freunde aus Schweden sagten mir, dass die roten Häuser Standard seien und die “edlen” Häuser in hellem Gelb gestrichen werden. Das berühmte Falunrot stammt übrigens aus Falun, einer Stadt in der größten schwedischen Provinz Darlana. Noch heute wird dort oxidiertes Eisen abgebaut für die Herstellung der typisch schwedischen Farbe. Die Bergwerke, in denen einst Kupfer abgebaut wurde, gehören zusammen mit den Arbeitervierteln und der Industrielandschaft zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nicht für jeden? Doch!

Habe ich erst einmal erklärt, was Ziplining ist, kommen oft Anmerkungen wie: “Oje, das würde ich mich aber nicht trauen.” Oder auch: “Ach, für mich ist das nichts!” Dabei sollte man da keine Scheu haben! Egal, ob alt oder jung, groß oder klein. Fast jeder kann es einmal versuchen. Bei der AB Little Rock Zipline nahe Växjö kann man bis zu einem Gewicht von 135 kg (inklusive Kleidung) Ziplinen. Und auch Kinder können im Zweifelsfall gemeinsam mit einem Guide das Abenteuer wagen.

Natürlich, es kostet auch Überwindung, das gebe ich zu. Aber beginnen wir am besten von vorne!

Der innere Schweinehung und ich

Anfangs habe ich selbst auch sehr mir gezweifelt, ob ich das Ganze so hinbekomme. Mein persönliches erste Zipliningabenteuer begann diesen April in Schweden im Rahmen einer Bloggerreise durch Smaland. Natürlich habe ich mich als Plussizemädel gefragt, ob ich das wirklich hinbekomme.  Letztendlich kam ich aber bereits vor der Reise, nachdem ich mich in das Thema eingelesen hatte und wusste, was mit bevorsteht: “Naja, man soll ja auch manchmal seine eigenen Grenzen austesten.”

Es war schon als Kind so: Ich bin ein großer Fan von kleinen Abenteuern im Urlaub und davon, auch mal neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht würde ich mich da ja mit Landesspeisen austoben, aber da ich allergiebedingt vegan lebe, geht das auf dem kulinarischen Wege leider nicht so gut. Daher mache ich es durch neue Orte, neue Sportarten und einfach mal neue Aktivitäten probieren. Sei es nun Standup Padeling, Langlauf im Erzgebirge als Nordlicht oder mit Höhenangst in den Hochseilgarten. Ich bin der Meinung, dass ich erst sagen kann, dass diese oder jene Sache nichts für mich ist, wenn ich sie erst ausprobiert habe.

Der Kampf gegen die Angst

Aber wieder zurück zum Thema Ziplining, denn darum soll es schließlich in diesem Artikel gehen. Für diese Erfahrung bin ich extrem dankbar, denn seitdem habe ich keine Höhenangst mehr. Und vielleicht kann ich ja euch mit meiner Geschichte ein wenig inspirieren. Viele würden sagen: “Wenn du Höhenangst hast, solltest du das nicht machen?” Aber warum eigentlich nicht? Ängste sind etwas Natürliches und auch gesund. Stellt euch mal vor, wenn wir keinen Respekt vor Höhe und Abgründen oder anderen Dingen hätten, bei denen wir vorsichtig sein müssen. Dennoch ist es manchmal heilsam, diese Ängste für uns zu überwinden.

Vor dem Urlaub habe ich eigentlich gar nicht so viel darüber nachgedacht, was es bedeutet, zum ersten Mal in seinem Leben Ziplining auszuüben. Und so richtig wurde mir das erst bewusst, was ich da tun würde, als wir mit dem Flugzeug in Schweden landeten. Zuvor hatte ich eine Freundin in Berlin besucht für einige Tage und bereits die Anreise zum Flughafen war ein kleines Abenteuer gewesen. Ich hatte pünktlich meine Bahnen genommen, aber als ich bei einer Haltestelle umstieg, brach am Gleis eine ältere Dame zusammen. Ich hatte noch gehofft: “Bitte, bitte, sagt jetzt jemand, dass er oder sie Arzt ist und kümmert sich um die Dame!” Aber nein, keiner ging zu der alten Frau und so rief ich den Notarzt und leistete Erste Hilfe, bis ein Sanitäter eintraf.

Weiter ging es dann am Flughafen, denn zunächst konnte ich mein Gepäck nicht mehr aufgeben. Eine ältere Dame hatte Probleme, weil sie auch ihr Gepäck nicht abgeben konnte und ich versuchte ihr zu helfen, was mich weitere 20 Minuten kostete. Dann kam ich zu allem Überfluss auch noch zu spät zum Boarding, weil ich nach dem Gate 64 gefragt hatte und in die falsche Richtung geführt wurde. Also rannte ich quer über den Flughafen Berlin-Tempelhof, kam gerade noch rechtzeitig und bekam einen Anschiss vom Flughafenpersonal, der sich gewaschen hatte. Na toll, dachte ich mir, ist ja schön, wenn ich jetzt schon bei allen Bloggern dieser Reise bekannt bin als die, die zu spät kommt.

In der Heimat von IKEA

 Angekommen am Flughafen war erst einmal nichts mit Outdoor. Stattdessen lernten wir die Geschichte des kleinen Flughafens am Rande von Växjö kennen. Nach etwas Fika, einer Art Kaffeetrinken auf Schwedisch, ging es dann zusammen mit dem Chef Jonas zu Little Rock Lake – Sweden Zipline. Inmitten tiefer Wälder fuhren wir etwa eine Stunde mit dem Auto Richtung Nordens Småland zum Basiscamp der Ziplininganlage. Ganz Schwedisch erwartete uns dort Fika Nummer 2, diesmal herzhaft.

An Schweden, wo ich schon etliche Male in meiner Kindheit war, ist immer wieder erstaunlich, wie vielseitig das Land ist, selbst in einem kleineren schwedischen Bundesland wie Småland. Wir haben in der Nähe das Glasreich mit den vielen Glasbläsereien, Auch nicht zu viel Fahrtzeit entfernt ist das Meer. Aber in Småland braucht man das eigentlich nicht, denn hier gibt es viele Seen. In der Studentenstadt Växjö gibt es ein großes kulturelles Angebot und einiges zu entdecken. Auf der anderen Seite gibt es die Natur und es finden sich Wanderstrecken und Outdooraktivitäten für jeden Schwierigkeitsgrad.

Vom Basiscamp aus hat man einen herrlichen Blick über den See, der Anfang April noch zugefroren war. Eine schwierige Zeit Das Eis trägt nicht mehr, aber Kanufahren oder Schwimmen gehen geht meist auch erst ab Mai.

Seine eigenen Grenzen erkennen

Die erste Hürde für mich und meinen inneren Schweinehund fand sich nicht beim Ziplining, sondern bereits am Tag unserer Ankunft. Was in unserem englischsprachigen Programm als ” (…) a lighter walk in the stunning surroundings. The terrain is hilly.” beschrieben war, war dann doch etwas hügeliger als gedacht. Ein Problem wurde die Wanderung erst, als ich merkte, dass es bei steileren Terrain nicht weiterging für mich. Während die anderen einigermaßen gut vorankamen, sackte ich immer wieder im noch nicht geschmolzenen Schnee ein. Da halfen auch keine Wanderstiefel.

Daher schlug ich vor, dort auf der Ebene zu warten. Ich hatte mich gerade erst zu diesem Zeitpunkt von zwei Verletzungen kurz hintereinander erholt und war daher bergab eh immer etwas vorsichtiger. Für mich war es eine gute Erfahrung, erst einmal diese Ängste vor einer erneuten Verletzung zu erkennen und auch einmal zu sagen: “Okay, es ergibt nicht viel Sinn, wenn ich jetzt so weit mitkomme und euch dadurch nur aufhalte.” Alternativ erklärte mir unser deutschsprachiger Guide Martin viel über die Natur und das Anfang April die perfekte Zeit gewesen wäre, um Birkenwasser zu zapfen, da just mit unserem Besuch in Schweden der Frühling kam.

Bei Europas größtem Ziplining Anlage mit über 4 km Seil kann man an der ersten Station auch den Ausblick über den Bäumen des smålänsische Hochlands genießen. Zuschauer beim Ziplining gibt es allerdings nicht. Entweder, man ist beim Ziplining mit dabei oder man wartet am Basiscamp auf seine Lieben, die das Abenteuer wagen.

Stille und Sternenhimmel

Der Abend nach unserer kleinen Wanderung brachte dann schon ein bisschen Aufregung mit sich. Schließlich hatten wir bereits den Startpunkt, einen Turm beim Basiscamp, besichtigt und schon etwas Respekt dabei empfunden, morgen über die Hütten entlangzufahren, wo wir heute Nacht noch drin schlafen. Das kostet schon ein bisschen Überwindung, aber ich dachte gleichzeitig auch, dass ich das jetzt packe und bestimmt keinen Rückzieher mehr mache.

So viel Zeit zum Grübeln blieb auch nicht, denn es wartete auf uns ein tolles veganes Abendessen mit einigen nicht-veganen Optionen von der lieben Elisabeth, die sich bestens um uns kümmerte. Und abends hatten wir sogar die Option, in einem mit Holz beheizten Pool der Stille der Wildnis zu lauschen.

Morgenstund hat Gold im Mund! Bereits gegen Sonnenaufgang bin ich am Tag meines Ziplining Abenteuers wach gewesen und konnte so ein paar schöne Fotos und einen Spaziergang übers Basiscamp machen.

Ein Morgen mit Hindernissen

Die Nacht habe ich erstaunlich gut geschlafen. Ich machte mir keine Sorgen darum, wie es wohl ist, wenn ich erst da oben stehe. Wahrscheinlich, weil ich es mir nicht vorstellen können. Erstaunlicherweise bin ich aber nun ganz kribbelig, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Aber Angst und der gesunde Respekt vor der Höhe waren eben nicht präsent an diesem Moment. Es war eher ein schönes Wiedersehen mit Schweden nach einigen Jahren Abstinenz. Während ich oft und gerne in Schweden Urlaub gemacht habe, ist diese alljährliche Tradition vor allem in meiner Studienzeit leider verlorengegangen. Wer studiert, Theater macht und auch noch kellnern geht, kann nicht mal eben in Schweden Urlaub machen.

Umso schöner war es, dass ich ganz ohne Wecker als Erste an diesem Morgen pünktlich zur Goldenen Stunde aufwachte und einige schöne Fotos auf dem Gelände des Basiscamps machen konnte. Es war auch gar nicht so schlecht, dass ich durch das frühe Aufstehen bemerkte, dass wir Probleme mit der Wasserversorgung an diesem Morgen hatten. So konnte ich ein bisschen mithelfen – so gut es eben ging.

Elisabeth hat uns in der Zeit bestens mit Leckereien versorgt. Auch nicht als Veganerin musste nicht hungrig bleiben. Vielen Dank dafür!

An diesem Morgen ging irgendwie alles rasend schnell. Schon war das Frühstück gegessen und ich hatte das Geschirr fürs Ziplining an. Dazu gehört es auch, dass die Haare unter einem Bandana versteckt werden, natürlich gibt es auch Handschuhe und Helm. Ich entschied mich gegen eine Spiegelreflex, aber hatte mir eigens für das Zipliningabenteuer von einem befreundeten Filmemacher eine Noname-Actioncam geliehen. Bei den Handschuhen hatte ich keine gefunden, die so 100prozentig passten – ein Fehler, wie sich später rausstellte. Daher mein Tipp: Wenn ihr Handschuhe aussucht, dann wählt lieber die, die eng anliegen.

Über den schwedischen Tannen bieten die Türme, von denen man sich ins Abenteuert stürz einen schönen Ausblick über die wilde Landschaft. Foto: Cecilia Forss

Der Blick in die Tiefe

Bei der Sicherheitseinweisung war alles noch gut. Martin erklärte uns ganz gelassen am Boden, wie wir an der Zipline  angebracht werden, wie wir Bremsen und was wir auf gar keinen Fall machen sollten. Zeitgleich erhielten die restlichen Besucher der Tour, die aus der Nähe kamen, von einem zweiten Guide auf Schwedisch ihre Instruktionen. Als ich nun den ersten Turm bestieg, machte sich schon ein wenig Panik breit. Ich hatte wirklich in meinem Kopf nachgedacht darüber, dass das doch irgendwie nicht das Richtige sei für mich. Sollte ich jetzt noch einen Rückzieher machen? Meine Atmung wurde ich wenig heftiger, meine Knie wurden etwas weich. Aber nein, ich entschied mich dafür, nicht wieder die Treppe runterzugehen und mich in die Tiefe zu stürzen. Mit Seil und doppelt gesichert natürlich.

Aufpassen ist angesagt, wenn Michael uns erklärt, wie wir sicher beim Kipling von A nach B gelangen. Foto: Cecilia Forss

 

Bei den Infos hieß es “You don’t have to be very fit.” Ein bisschen Treppensteigen sollte man aber schon können. Das ist nicht sonderlich schlimm. Ein flaues Gefühl macht sich im Magen breit, der Puls geht etwas schneller, aber man hat keine Angst. Die meiste Angst machte sich bei mir breit, als ich oben auf dem Turm warten musste. Ich möchte euch nicht spoilern, aber es wurde eher schlimmer im Verlaufe der Tour. Warum, verrate ich nicht.

“Most people love to zipline but if you are very, very afraid of heights it is not a good idea.” Nun ja, meine Angst ist da, aber sie ist eben nie so groß gewesen. Allerdings kostete es schon Überwindung. Und daher fuhr ich als Erste. Das kann ich jedem von euch nur raten, denn es ist ein nicht so schönes Gefühl, zu warten darauf, dass man dran kommt. Wartet man schon bei der nächsten Station, ist es ein deutlich schöneres Gefühl.

Soll ich? Soll ich nicht? So ein bisschen mulmiges Gefühl ist es für jedem beim ersten Mal. Aber keine Sorge, es kann nichts passieren! Selbst im Worst case kommt ihr heile wieder an. Ich bin der lebende Beweis dafür. Foto: Cecilia Forss

Der Schritt ins Nichts

Das Schlimmste für mich und ein Grund für leichte Panik meinerseits war nicht das Ziplinen an sich. Es waren diese kleinen Treppenstufen, die man heruntergehen musste, während dich der Guide an einem Karabiner am Rücken festhielt und sagte “One more step … one more”. Und da unten ist einfach nichts. Ich gebe zu, ich hatte wirklich Angst und leichte Panik in der Situation. Nach etwas Schreien dann war das Ganze aber gar nicht so schlimm.

Es war eben auch nicht anders als die Seilbahn auf dem Spielplatz. Nur mit mehr Höhe und schönerem Ausblick. Wer wirklich sehr ängstlich ist, kann ja vielleicht erst einmal auf dem Spielplatz üben? In einem Spiel- und Sportpark in meinem Nachbardorf gab es früher eine Art Seilbahn, die einige Meter über den Park führte, aber automatisch funktionierte – ähnlich wie eine Sessellift, nur auf einer Ebene. Ich denke, jede Art von Höhe wie Klettern, Hochseilgarten oder einfach auch Wandern in Regionen, die etwas steiler sind, können eine gute Vorbereitung auf dieses besondere Erlebnis sein.

Gleich bei der ersten Zipline schwebten wir über die Hütten, in denen wir noch die Nacht zuvor geschlafen haben. Foto: Cecilia Forss

50 Meter über der Erde

Natürlich möchte ich euch nicht belügen, was mein erstes Mal Ziplining angeht. Die erste Landung habe ich nicht gut hinbekommen. Ich habe zu schnell gebremst und hielt mich am Seil fest. Die letzten paar Meter musste ich dann per flaschenzugartiger Konstruktion hereingeholt werden. Aber ich hatte es geschafft. Unser Guide Martin hatte recht gehabt. Hat man die erste Line überstanden, dann möchte man das auch den Rest machen.

Besonders angenehm fand ich die dritte Line der Kamikaze-Tour mit insgesamt 8 Bahnen. Dort konnte man zu zweit um die Wette fahren. Stürzt man zu zweit in die Tiefe, ist es weniger schlimm. Wer sich nicht ganz so Kamikaze fühlt, kann auch eine Anfängertour oder eine mittelschwere Tour buchen und dort seine Grenzen austesten, bevor er sich an die große Kamikazetour wagt.

Auch, wenn beim Ziplining natürlich die Seilbahnen im Vordergrund stehen, ist viel Warten und auch Erholung bei der mehrstündigen Tour angesagt. Foto: Celicia Forss

Der Zauber der Wälder

Auch ein wenig gehen steht an bei Tour – neben den vielen Treppenstufen gibt es auch nach der dritten Zipline eine kleine Strecke zu einem Camp mitten im Wald mit großem Zelt und Platz zum gemeinsamen Kochen. Fast verwunschen inmitten der felsigen Hügel und Nadelbäume wirkt es, als würde um jede Ecke ein Troll lauern. Diese rauen und fürs norddeutsche Flachlandgemüt doch eher ungewohnten Landschaften sind einst jene gewesen, in denen ich mich Sommer für Sommer in andere Welten geträumt habe.

Mach den Fleischkloß

Hier aber gab es keine Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. Auch, wenn man immer wieder auf den Türmen warten musste, blieb man doch stets achtsam. Im Grunde genommen ärgere ich mich im Nachhinein, dass ich nicht komplett loslassen und den herrlichen Ausblick während der Ziplining Fahrten genießen konnte. Zu sehr achtete ich darauf, nicht zu früh oder zu spät zu Bremsen, mich nicht zu Drehen und immer schön den köttbullar zu machen. Der schwedische Guide, der mit uns Englisch sprach, weiß uns immer wieder darauf hin, dass das wichtig sei beim Ziplining. Köttbullar, also den Fleischkloß machen, ergibt ja auch wirklich Sinn. Einfach klein und rund machen ,Arme und Beine anziehen, um den Luftwiderstand zu verringern. Denn im Zweifelsfall muss man mit den Armen arbeiten, wenn man es nicht bis zur anderen Seite schafft oder sich eben helfen lassen.

Gut begleitet: Nicht nur unser deutschsprachiger Guide Michael hat uns beim Ziplining begleitet. Zu jeder tour gehören mindestens zwei Guides. Während Michael immer vorausgefahren ist, um im schlimmsten Falle uns mit dem Flaschenzug oder anderen Methoden rüberzuholen, hat ein zweiter Guide uns starten lassen. Foto: Cecilia Forss

Und dann kam doch alles anders ….

An Linie Nummer 6 wurde schließlich mein Schicksal für diese Tour besiegelt. Ziplining – ich kam, sah und scheiterte ein wenig. Aber auf der anderen Seite habe ich mich getraut. Die sechste Station unserer Tour ist die längste Fahrt und hier besonders war ich darauf bedacht, den köttbullar zu machen und heile auf der anderen Seite anzukommen. Im Nachhinein hätte ich es wohl auf die andere Seite geschafft. Aber hätte, hätte … es kam anders, zu einer unglücklichen Verkettung von Umständen.

Ich versuche es mal so zu erklären, wie es am besten geht: Ich hatte Angst, an der längsten Zipline wieder zurück in die Mitte zu fallen und wollte mich daher am Seil fest halten. Ich war schon am Bremsen, aber noch zu schnell. Hier rächte sich der Handschuh, der irgendwie ein wenig locker saß und daher prallte der Wagen, der mich im Seil hielt, gegen meine rechte hand. Einen Schmerz fühlte ich nicht, aber natürlich erschrak ich mich und nahm beide Hände vom Seil. Das klingt im Nachhinein ziemlich dumm, aber ich schaffte es nicht, mich mit der Hand Festzuhalten und rutschte mehr und mehr zurück. Dass die Hand wehtat, fiel mir dabei gar nicht auf. Natürlich schrie ich ein Nein. Das war wirklich der Ziplining Super GAU.

So richtig die Aussicht genießen konnte ich bei meinem ersten Mal Ziplining nicht. Ich denke, das nächste Mal kann ich mehr die Landschaft genießen und bin nicht so verbissen und darauf bedacht, auch ja nichts falsch zu machen. Foto: Cecilia Forss

20 Meter über dem Bach

Da hing ich nun, praktisch in der Mitte der Zipline, unter mir sprudelte fröhlich und bespringt ein Bach und es hätte nur noch gefehlt, dass ein Elch vorbeischaut, die Augen verdreht und sich denkt: “Was für ein Anfänger! Selbst ich kann das besser.” Das war er Moment, wo ich beginnen konnte, das Ganze so richtig zu genießen. Ich zog meine Handschuhe wieder an und begann, mich am Seil langsam in meinem Tempo voranzuhangeln. Nun ja, mir war das Blödeste passiert, was passieren konnte. Und nichts war geschehen. Ich war sicher und natürlich war es für die anderen Leute blöd, die nach mir noch Ziplinen wollten, dass ich erst einmal auf die andere Seite musste. Aber was muss das muss. Und so begann die Odyssee der Bettina am schwedischen Seil.

Eine unerwartete Rettungsaktion

Während ich mich langsam mit den Händen in Richtung des Seilendes zog, bereite Michael schon einen Seilzug für mich vor und kam mir entgegen. Mit jedem meter merkte ich mehr, dass meine rechte hand wohl nicht nur mit dem Schrecken davon gekommen ist. Ich wurde wieder ruhiger und langsam machte sich ein Schmerz breit. Außerdem hatte ich ein wenig Mitleid mit dem armen Michael, der mich vom Boden aus über steiles Gelände nun in Richtung nächste Station zog. Das Ganze dauerte auch. Ich kann euch sagen: Versucht immer auf der anderen Seite anzukommen und nicht zu schnell zu Bremsen. Denn nach 10 Minuten in den Seilen hängen geht es noch, aber nach und nach wird es schon unangenehmer. Irgendwann merkte ich, dass ich nicht mehr konnte und gab unserem Guide Bescheid, der mich das letzte Stück abholte.

Ein unerwarteter Bonus

Da meine Hand leicht verletzt und geschwollen war, holte sogleich Guide Michael mir etwas noch verbliebenen Schnee zum Kühlen. Praktisch, wenn man im schwedischen Frühjahr beim Ziplining einiges an Erste Hilfe Versorgung direkt in der Natur. Da wir nicht wussten, was mit meiner Hand war (Es war eine Prellung, mehr nicht.), durfte ich nicht weiter mitmachen. Das war schade, denn gerade durch diesen kleinen Unfall hatte ich ja meine Angst komplett überwunden. Aber andererseits konnte ich verstehen, dass ich durch die schmerzende Hand und die Ungewissheit, ob dort nicht etwas verstaucht oder gebrochen ist, ein Sicherheitsrisiko darstelle. Denn zum Ziplinen sollte man beide Hände gut nutzen können – zum Bremsen und sich festhalten.

So holte mich Peter mit dem Quad ab und meine mitreisenden Blogger waren etwas neidisch, dass ich durch das doch eher wilde und abenteuerliche Gelände noch eine kleine Extratour hatte.

Die Reise geht weiter

Man mag glauben, dass ich nun nach dieser Erfahrung sage: Einmal und nie wieder! Aber ich muss euch enttäuschen. Mein Kampfgeist ist geweckt. Jetzt erst recht! Und das nächste Mal bin ich nicht allein. Zunächst bestand sogar der Plan, dort in Schweden ein ganzes Familientreffen meiner europäischen Verwandtschaft zu organisieren. Da dies aber nicht so richtig hat klappen wollen, reisen wir vielleicht mit, vielleicht aber auch ohne Verwandtschaft in den Norden. Auf jeden Fall kommt mein Ehemann mit, der die Berge liebt, aber noch nie in Schweden war. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er Ziplining lieben wird. Uns wurde auch von Elisabeth und Peter empfohlen, dass besonders im Winter es toll sein kann, inmitten der schneebedeckten Landschaft das Zipliningabenteuer zu wagen. Dann kann man sogar Elche sehen.

Und auch ein anderes Abenteuer interessiert mich noch, denn Sweden Zipline bietet auch eine Tour zu Bergkristall Fundstellen an. Dazu gibt es eine ganz eigene Vorgeschichte in Norwegen … aber die erzähle ich euch ein anderes Mal.

 

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