Småland und Wildnis – zwischen Design und Outdoor in Südschweden

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Südschweden, das ist für mich meine Kindheit. Mittsommernacht, schwedischer Käsekuchen, Wanderungen durch das felsige Terrain und mein Vater, der umbedingt Elche sehen und fotografisch festhalten möchte. Und diese endlos vielen Seen, in die man jederzeit reinspringen kann.

Bei einer Bloggerreise Anfang April hatte ich die Gelegenheit, Schweden von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. Unser Ausgangspunkt war dabei Växjö, die quasi so etwas wie die Hauptstadt von Südsmåland ist. Unsere gesamte Reise verbrachten wir in Småland, einem Bundesland im Süden von Schweden. Dort habe ich auch bereits eine Handvoll Urlaube in meiner Kindheit verbracht, da es nicht weit bis zum Glasreich in Südschweden ist. Meine Eltern waren immer Fans der schwedischen Glaskunst und es ist nicht weit von der dänischen Grenze entfernt.

Ein rot gestrichenes Holzhaus irgendwo an einem See – das ist das Bild, dass wohl die meisten von uns im Kopf haben, wenn wir an Schweden denken

Schweden schnell per Flugzeug

Beim ersten Mal ist es schon etwas befremdlich, in Berlin in ein Flugzeug zu steigen und innerhalb von 1 1/2 Stunden erst über die Weiten Brandenburgs, dann über die Ostsee und Dänemark zu fliegen und sich schließlich inmitten des beschaulichen Smaland Airports zu landen. Direktflüge sind eher selten der Fall – glücklicherweise gibt nun Dank Flyingbra eine Direktverbindung von Berlin-Tegel zum Småland Airport in Växjö. Eben hat man noch vormittags Locations in Berlin erkundet und nachmittags ist man schon in Schweden? Daran kann ich mich gewöhnen.

Växjö von oben – viele Seen und Wald

Schweden, das habe ich immer damit verbunden, dass man wirklich früh aufsteht, um den Staus in Hamburg zu entgehen und dann fährt man mit der Fähre von Puttgarden nach Rödby und durchquert Dänemark, um dann irgendwann nachmittags in Schweden anzukommen. Ich glaube, man kann mein kindliches „Sind wir endlich da?“ schon ein wenig aus dem letzten Satz heraushören. Mit Kindern würde ich auf jeden Fall einen Flug empfehlen, da die Kleinen ja schon bei 1 1/2 Stunden Reisezeit durchaus gelangweilt sein können.

Schön fand ich an der kleinen Maschine mit 74 Sitzplätze, dass man freie Platzwahl hat. Ich liebe Fensterplätze – daher bin ich ein großer Fan und erwäge, dass ich auch beim nächsten Mal per Flug anreise, wenn ich privat mit meinem Mann und einigen Freunden Schweden besuche.

Auch das ist Schweden – Felsen und Wälder. Noch ohne Laub

Ausblick vom Base Camp von Sweden Zipline

Fika und Natur erleben

Während die Designgruppe  andere Programmpunkte hatte, ging es für uns als Outdoorgruppe mit 4 Bloggern zum Little Rock Lake Zipline und Wildnis Camp. Anders als erwartet ging es für uns nicht tief in den Wald zum Zelten, aber dafür hatten wir kleine, wohlig warme Hüttchen, in denen wir übernachten konnten.

Begrüßt wurden wir mit Fika – ein Schelm, wer Böses bei diesem Wort denkt. Fika, dass ist eigentlich so etwas wie Kaffeetrinken im Deutschen. Nur, dass man eben dafür nicht unbedingt Kaffee und Kuchen braucht – es geht auch mit Sandwich oder Gemüse. Kinder in Schweden fragen wohl öfters, ob es leckeres Fika mit Waffeln und Kuchen oder gesundes Fika gibt.

Fika – das muss nicht immer Kuchen und Kaffee sein

Unser dortiges Outdoorabenteuer bei Sweden Zipline begann mit einer Wandertour durch eine Menschenleere Fels- und Waldlandschaft, die noch ab und an ein wenig Schnee im Schatten der Bäume beherbergte. Unser Schweizer Guide Martin erklärte uns allerlei interessante Fakten zu der örtlichen Flora und Fauna und so gingen wir einen Pfad entlang, den seit zwei bis drei Monaten kein Mensch mehr langgelaufen war. Nur ein Elch schien zu Besuch gewesen zu sein, aber obwohl wir mit dem Wind liefen, hatten wir beim Elchspotting leider kein Glück. Birkenrinde brennt gut und kann im Notfall verspeist werden, das wusste ich bereits aus Pfadfinderzeiten. Aber das man Bartflechten essen kann (sie schmecken etwas herb, aber okay) oder wie man das Alter eines Baumes bestimmt ohne ihn zu fällen, das war neu für mich.

morgens im Base Camp – nach dem Frühstück geht es zum Ziplinen

Auch interessant ist der Fakt, dass dieser Wald in Småland und allgemein in Südschweden nicht immer Wald war. Einst war diese Landschaft eine Art Heide, wovon noch alte Wacholdersträucher zeugen. Wacholder, den Duft kennt ihr vielleicht von Gin. Und auch interessant ist, dass wir genau zu der Zeit Schweden einen Besuch abstatten, in der man das Birkenwasser ernten kann. Kurz, bevor die Birke Blätter austreibt, pumpt sie viel Wasser in den Stamm – das sieht man daran, dass sich die oberen Äste rot färben. Rein theoretisch kann man dann die Birken abzapfen und das Wasser der Birken trinken.

Nach einem vortrefflichen Abendessen können wir den Abend in einem holzbeheizten Pool ausklingen lassen. So viel Sterne, Satelliten und ganz vereinzelt Flugzeuge. Es ist unglaublich still so mitten im Wald, selbst die Polopumpe schaltet man uns ab, damit wir die Ruhe genießen können.

Das Frühstücksbuffet war reichhaltig und vegan

Blick von der ersten Zipline auf den zweiten Turm – wer die erste Line schafft, schafft auch die anderen

Ziplining – ein Schritt in die Tiefe

Am darauffolgenden Tag wurde es mir schon etwas mulmig nach dem Frühstück, als ich den ersten Turm auf dem längsten Zipliningkurs Europas erklomm. In die Tiefe stürzen, nein, das ist eigentlich gar nicht meine Welt. Und dennoch sind solche Erfahrungen ganz gut, um seine eigenen Grenzen neu zu definieren – manchmal muss man sich einen Ruck geben. Handys und alle Gegenstände werden weggepackt. Nur meine Actioncam durfte mit. Glücklicherweise hat uns Elisabeth, die gute Seele des Hauses, eine Fotografin organisiert, die mit kam und unser Abenteuer festhielt.

Seen und Schweden – in Südschweden gehört im Winter Schlittschuhlaufen und im Sommer Baden und Rudern auf den See dazu. Wassersport ist sehr beliebt.

Die Hängebrücke ist ein kleiner Vorgeschmack aufs Ziplining

Wer nicht gleich unsere „Kamikaze Tour“ buchen möchte, kann auch zwei leichtere Touren wählen. Besonders im Winter ist das Ziplinen ein Geheimtipp, um die Schneelandschaften ganz neu kennenzulernen. Man soll sogar im Winter das ein oder andere Mal einen Elch erblicken können, wenn man es wagt, nach unten zu sehen. Im Sommer ist der Spaß natürlich ebenso groß, aber man muss damit rechnen, dass es im Sommer tendenziell voller ist. Auch wir haben gemeinsam eine Tour mit einigen Schweden aus Växjö gemeinsam gemacht. Sicher ist man allemal, sogar doppelt und lernt auf der Tour einige verschiedene Strecken mit bis 70 km/h kennen. Acht Strecken sind es insgesamt – am besten gefiel es mir, zu zweit zu ziplinen, da man da nicht so viel Angst verspürt, wenn noch ein zweiter neben dir ist. Die zweite Hälfte hat dann wiederum ganz eigene Eigenheiten, aber ich möchte denjenigen, die diese Kurse selbst ausprobieren wollen, nicht zu viel verraten.

Wer von euch sich nun fragt: Wow, Bettina, wie genau war das mit dem Ziplining? Was ging in dir vor, wenn du einfach in die Tiefe geblickt hast? Es wird es noch einen separaten Blogpost geben.

Im Hotelzimmer in Växjö

Das Hotel in Växjö ist stilvoll und schlicht eingerichtet

Design und Kerzenschein in Växjö

Nach dem großen Abenteuer kam für uns als Outdoorgruppe das Kontrastprogramm und eine wunderschöne Überraschung. So wohlig warm die kleinen Hütten gewesen sind, so schön war es, sein Zimmer im PM & Vänner zu beziehen. Das Zimmer war außerordentlich geräumig und lud zu einer Dusche ein. Sehr empfehlenswert in den Morgen- und Abendstunden ist in diesem Hotel auch der Pool, der einen schönen Blick über die Innenstadt zulässt.

Der Rooftoppool lädt zu ein paar entspannten Bahnen vor dem Frühstück ein

Hotelzimmer in Växjö

Im Hotelzimmer in Växjö

Växjö und das Glasreich in Südschweden sind bekannt für ihre Glaskunst

Växjö ist zwar nicht die größte Stadt und sicherlich kein Vergleich zu dem pulsierenden und manchmal auch stressigen Stockholm. Viele Kunstwerke erwarten einen in jeder Straßenecke. Empfehlenswert ist das schwedische Glasmuseum und ein Besuch des Doms, der aus dem 14. Jahrhundert stammt. Auch ein beliebter Zeitvertreib in Växjö ist Wassersport jeder Art, zum Beispiel im Helgasjön, der im Norden der Stadt liegt und einer der größten Seen in Südschweden ist.

Der Dom in Växjö ist ein Wahrzeichen der Stadt

Hinter dem Als versteckt sich einer der wichtigsten Preise des Hotels

Das PM & Vänner ist nicht nur ein Hotel, sondern auch ein Restaurant. Dort gibt es ein sehr leckeres, veganes Abendessen für mich mit überraschenden Geschmackskombinationen und auch einigen alten Bekannten der veganen Küche. Jeder, der etwas von Wein hält, kann hier gute Tropfen probieren, da der Weinkeller mit den Grand Award das Magazins Wine Spectator wurde. Dieses Privileg teilt er mit nur 87 anderen Weinkellern weltweit – davon keiner in Deutschland. Die Atmosphäre im PM & Vänner war sehr angenehm und das Design modern und dezent. Nicht überall werde ich als Veganer so dermaßen mit guten Essen verwöhnt, daher kann ich auf jeden Fall empfehlen, sich vorher als Veganer oder Allergiker einfach anzumelden, wenn man dort essen möchte. Es lohnt sich auf jeden Fall, um neue Eindrücke und Inspiration für die eigene Küche zu bekommen.

Diner in Växjö mit erlesenen Weinen

Zwischen Seen und Lagerfeuer

Am letzten Tag ging es noch einmal für und mit unserem Guide Lisa raus in die Natur zu einer Exkursion durch den Nationalpark Lake Åsnen. Das war das Schweden, wie ich es kannte – nicht allzu bergig und mit Felsen. Dafür noch mit zugefrorenen Seen. Kaum zu glauben, dass in wenigen Wochen dort schon wieder gebadet werden kann.

Kaum zu glauben, dass man in diesen Seen in wenigen Wochen wieder Baden kann

Der 30. Nationalpark Schwedens wird erst im Mai eröffnet. Dennoch hatten wir schon die Möglichkeit zu einer kleinen Wanderung – eine Bootstour war leider nicht möglich, da der See noch zugefroren war. Unser Guide erklärte uns auch, dass der Åsnen ein recht fieser See mit all seinen Felsen sei, aber dennoch sehr gut, um dort Boot zu fahren im Sommer. Nach einer kleinen Tour hatten wir die Möglichkeit, mit dem Guide uns im Slaglinen auszuprobieren und selbst Feuer zu machen. Es ist erstaunlich, dass man mit Kernholz, einem Mittel der Natur, ebenso gut Feuer machen kann wie mit Brandbeschleunigern.

Im Nationalpark bietet eine Aussichtsplattform einen spektakulären Blick über den See

Kaffee und Kuchen im ehemaligen Lanthandel

Kaffee und Kuchen im ehemaligen Lanthandel

Vor dem Rückflug gab es noch Kaffee und Kuchen im alten Lanthandel, der vor einigen Jahren zu einem Café umfunktioniert wurde. Auch dort treffen wir schon ungewöhnlich früh eine andere deutsche Touristin mit ihrem Hund. Unser Guide Lisa erklärt, dass ironischerweise oft mehr Ausländer als Einheimische im künftigen Nationalpark zu finden sind. Entgegen dem Klischee sind nämlich nicht alle Schweden totale Outdoorfans.

Werkzeuge zum Feuermachen – ganz ohne Brandbeschleuniger

Der Guide Lisa zeigte uns, wie man mit Scheite für ein Feuer prepariert

Schweden – immer eine Reise wert

Wer Schweden noch nicht kennt, sollte es versuchen – das schöne an diesem Land ist, dass für jeden Etwas dabei ist in Småland – ob nun Sporturlauber, Kulturverliebte oder Outdoorjunkies. Jeder kann hier auf seine Kosten kommen und es gibt jedes Mal etwas Neues zu entdecken.

Diese Reise habe ich im Zuge einer Bloggerreise gemacht. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Flyingbra und dem Team vom Växjö Småland Airport bedanken. Und natürlich auch beim gesamten Team von AB Little Rock Zipline mit Jonas, unserem Guide Martin, der guten Seele des Hauses Elisabeth, die wirklich tolles Essen gezaubert und sich bestens um uns gekümmert hat, Peter, der mich “gerettet” hat (Ja, diese Geschichte habe ich noch nicht erzählt und der wunderbaren  @fotografceciliaforss, die uns fotografisch beim Ziplinen begleitet hat. Und auch danke an den zweiten Guide auf unserer Zipline Tour. Leider ist mir dein Name entfallen und ich möchte nichts Falsches schreiben – danke, dass du mich festgehalten hast und dann im richtigen Moment losgelassen. Ebenfalls ein großes Dankeschön an PM & Vänner Hotel und Lisa, unseren Guide im Nationalpark, bedanken. Und ein herzliches Dankeschön an Cathrine! Danke für die tolle Zeit und die interessanten Einblicke in die aktuellen touristischen Attraktionen von Småland – ich habe auch viel Inspiration für kommende Reisen nach Südschweden sammeln können.

5 Comments

  1. QueenOfEvilness

    April 17, 2018 at 7:28 pm

    Wenn man das so sieht und Liest bekommt man Lust auf Urlaub! Wir haben erstmal für November Hochsauerland Center Park gebucht 5Tage!

    • Bettina Barth

      April 17, 2018 at 7:31 pm

      Na dann, vielen Dank für deinen Kommentar und ich wünsche dir und deiner Familie viel Vorfreude für den Sauerlandurlaub. Wenn ihr noch Tipps fürs Sauerland braucht, gebt gerne Bescheid!

  2. Christine

    April 17, 2018 at 7:31 pm

    Sehr guter Einblick in die Reise. Da möchte ich am liebsten sofort die Koffer packen und nach Schweden reisen. Obwohl ich schon oft dort war, erstaunt es mich immer noch welche Vielfalt dieses Land bietet. Danke für diesen Beitrag.

    • Bettina Barth

      April 17, 2018 at 7:32 pm

      Vielen lieben Dank, Christine! Ich hoffe, du schaffst es bald wieder nach Schweden. Auch ich werde auf jeden Fall noch dieses Jahr privat dorthin reisen und kann auch empfehlen, statt mit dem Auto mit Zug und/oder Flugzeug anzureisen, da es die Reisezeit deutlich verkürzt.

  3. Lynn Benda

    April 24, 2018 at 9:02 am

    Tolle Eindrücke und Fotos hast du da aus Südschweden mit gebracht. Mir geht es da ganz genauso wie dir, irgendwie ist das ein Stück Kindheit. Alles erinnert an Astrid Lindgren und ihre Romanfiguren 🙂

    Liebe Grüße,
    Lynn

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