Donnerstag, 5 Dezember, 2019

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Weihnachten und Zeit bei der Familie ist oft auch eine Zeit, an der man Dinge tun kann, zu denen man sonst nie kommt. Ich beispielsweise habe oft so viele Chorauftritte in meiner Kindheit und Jugend gehabt im Dezember, dass ich gerne die Zeit nach Weihnachten zum Nichtstun nutze. Das war die Woche im Jahr, wo ich wirklich mal entspannen konnte. Heute ist es eher das Backen, dass mich an und um Weihnachten herum fasziniert. Besonders verbunden sind meine Eltern und allgemein meine Familie mit skandinavischen Traditionen. Deswegen habe ich mich mal hingesetzt und euch all die Rezepte aus dem Dänischen und Schwedischen übersetzt, die ich seit meiner Kindheit kenne und liebe.

Nächstes Weihnachten möchte ich mir unter anderem Bremer Spezialitäten vornehmen. Einen Gastbeitrag zum Thema Weihnachtszeit in Bremen findet ihr übrigens auch aktuell bei Chamy Travels.

Es gibt einige Unternehmen aus Schweden, die weltweit bekannt sind. Das gilt aber leider nicht für ihr Gebäck, dass durch mutigen Einsatz von Gewürzen wie Zimt, Kardamom oder Kümmel bekannt ist.

Skandinavisches Weihnachtsgebäck für daheim

Es ist tatsächlich wahr, dass ich in den letzten Wochen aufgrund unserer noch relativ jungen Wohnung in einem schwedischen Möbelhaus war und dort sind seit Wochen aufgrund der Weihnachtszeit die Zimtschnecken ausverkauft sind. Das hat mich doch stark gewundert, aber andererseits auch gar nicht so verwerflich. Denn in unserer Stadt kann man tatsächlich nirgends beim Becker Zimtschnecken kaufen. Das habe ich extra für unseren Blogbeitrag recherchiert. In einigen wenigen Läden gibt es Rosinenschnecken oder Franzbrötchen, aber das ist eben nicht dasselbe.

Deswegen finde ich es sehr schade, dass nur wenige schwedische Gerichte oder auch Süßes aus Schweden in Deutschland oder überhaupt außerhalb von Schweden bekannt sind. Denn die schwedische Küche ist einerseits einfach umsetzbar und außerdem mutig mit Gewürzen und Aromen. Alles ist eine wundervolle Geschmacksexplosion im Mund.

Pepparkaka – schwedischer Pfefferkuchen 

Wahrscheinlich wird es einigen seltsam vorkommen, aber ich bin echt kein Fan von Lebkuchen. Lebkuchen, damit konnte man mich wirklich jagen. Und genauso wenig mag ich das meiste Weihnachtsgebäck. Ich esse lieber Clementinen und echte Nüsse als Vanillekipferl und Pfeffernüsse. Nur eine Ausnahme gibt es und ich muss gestehen: Dieses Rezept habe ich selbst bekommen – als 3jährige in einem Schwedischen Freizeitpark, wo es eine Backaktion gab. Meine Eltern konnten es kaum glauben, dass es einen Keks gibt, den ich mochte. deswegen fragten sie ganz lieb, ob man das Rezept aufschreiben könnte.

Nicht nur für Weihnachten

Tatsächlich sind diese Kekse nicht nur für die Weihnachtszeit, sondern für das ganze Jahr. Der Schwede macht ja gerne Kaffeekränzchen, dort Fika genannt, und statt Kuchen können auch mal Pfefferkuchen auf dem Tisch stehen. Am Lichterfest im Dezember werden sie sogar schon zum frühstück mit einem Glas Milch und Butter zum Beschmieren gegessen, aber man kann es auch gut zu Kaffee oder Glögg essen.

Traditionell haben meist diese Kekse Herzform, zu Weihnachten gibt es sie aber auch als Schwein oder Julibock. Ich habe mich da ganz modern für eine Sternenform entschieden.

An sich ist dieses Rezept kinderleicht zu machen und schmeckt auch außerhalb der Adventszeit sehr gut. Besonders im Winter sind die würzigen, knusprigen Kekse ein Genuss.

Rezept

für ca. 3-4 Bleche, ca. 120 bis 150 Plätzchen, je nach Dicke

  • 300 gr. Brauner Zucker
  • 50 ml Zuckerübensirup
  • 100 ml Wasser
  • 200 gr. Butter oder vegane Magerine zum Backen
  • Orangenschale eine Bio Orange
  • 1-2 Esslöffel Zimt
  • 1/2 Esslöffel gemahlener Ingwer
  • 1/2 Esslöffel gemahlene Nelken
  • 2 Teelöffel gemahlener Kardamom
  • 2 Teelöffel Bikarbonat
  • 600 gr. Weizenmehl

Gerade Backen mit der Familie kann eine schöne Beschäftigung bis zur Bescherung oder Familienfeier sein und die Kinder davon ablenken, nach dem Weihnachtsmann zu suchen, der gerade die Geschenke vorbereitet. So wurden meine Geschwister und ich auch in unserer Kindheit hingehalten.

Zubereitung des Pepparkaka-Teig

Es gab viele Experimente und Varianten im Laufe der Jahre, hier mein Favorit: Sirup und Zucker aufkochen. Währenddessen Butter und Gewürze in eine Schüssel geben und dann mit dem heißen Gemisch übergießen und gut durchrühren. Alles sollte aufgelöst sein. Dann etwas abkühlen lassen und Mehl dazugeben. Kneten, bis ein Teig entsteht.  Teig zu einer Kugel formen und eine Stunde ruhen lassen.

Wichtig fürs Plätzchen Backen allgemein ist, dass ihr am besten immer kalte Fläche verwenden solltet. Noch warme Bleche aus dem Ofen können schnell zu verkoppelten Plätzchen führen.

Beim eigentlich Plätzchen ausstechen Teig sehr dünn ausrollen. Dabei ist es wichtig, nicht zu viel Mehl auf den Teig zu streuen. Das sieht optisch nicht gut aus und schmeckt auch eher mau. Beim Backen sollte man beachten, dass man genug Bleche braucht, denn für diese Kekse ist wichtig, dass das Blech kalt ist, also am besten nicht direkt auf dem Ofen nehmen. bei 200 Grad 5 bis 8 Minuten auf mittlerer Schiene backen und dabei am besten am Ofen bleiben, denn je dünner die Plätzchen, umso schneller werden  sie fertig und schmecken auch meiner Meinung umso besser.

Auf Bildern sieht es immer so mühelos aus, aber Glasur für Gebäck ist ein eigenes Thema für sich.

 

Vegane Zuckerglasur für Kekse

Wer nun sagt: Und was mit der Plätchenverziehrung, den kann ich beruhigen. Die Faulen unter euch können gerne mit Zuckerschrift in Weiß arbeiten, das funktionierte in unserer Testküche auch überraschend gut. Aber tatsächlich funktionierte diese Glasur besser als das nicht-vegane Royal Icing aus Eiweiß. Mein Ehemann hatte 5 oder 6 Anläufe und nie war die Konsistenz richtig gut für Keksglasur. Es war eher eine Glasur zum Eintauchen, z. B. für Pfeffernüsse oder Zimtsterne oder Zimtschnecken, wenn man gerne Zuckerschock mag.

Deswegen teile ich mit euch dieses Rezept, dass deutlich besser geklappt hat. Einziger Nachteil: Manche schmecken den Kichererbsenwassergeschmack raus. Das kann man aber sehr gut vorbeugen, indem man mit einem gewünschten Aroma arbeitet. Ich habe z. B. Orangenextrakt dazugegeben. Es hat die Glasur nicht eingefärbt und passte geschmacklich sehr gut zu den schwedischen Pfefferkuchen.

Rezept für eine große Portion Glasur:

  • Aqua Faba von einem Glas Kichererbsen
  • ca. 1 kg Puderzucker, das ist sehr nach Gefühl
  • 2 TL Zitronensaft, egal ob echt oder aus der gelben Plastikflasche
  • Aroma wie Orangenschale, Zitronenschale, Vanilleextrakt etc. nach Geschmack

Kichererbsen abtropfen lassen. Aus denen kann man dann z. B. großartigen Humus machen. Das  Aqua Faba, also Kichererbsenwasser in einem kleinen Topf geben und solange auf niedriger Stufe köcheln lassen, bis man ca 100 ml hat. So ist es konzentrierter und bindet besser. Wir hatten da einige Versuche, das könnt ihr mir glauben. Bevor ihr weiterarbeitet, solltet ihr das Aqua Faber etwas abkühlen lassen abkühlen lassen und dann mit 2 TL Zitronensaft und dem Aroma nach Geschmack, etwa 1/2 TL in eine Rührschüssel geben und gut vermischen.

Dann den Puderzucker reinhieben. Etwa erst einmal die Hälfte davon – diesen auf langsamer Stufe einrühren. Je nach Konsistenz mehr oder weniger Puderzucker reingeben. Wir wollten eine zahnpastaartige Konsistenz wie bei Zuckerschrift, deswegen sind es ca 1050 Gramm geworden.

Süße Tradition aus Dänemark

Kommen wir als letztes noch zu einer beliebten Tradition im südlichen Nachbarland, die auch ich seit meiner Kindheit kenne. Da ich als Kind Wochenenddänin war und so of Dänemark besucht habe, dass ich ehrlich gesagt irgendwann nicht mehr mitzählen konnte, gehört auch diese kleine dänische Tradition dazu.

Ich meine, Milchreis ist etwas Schönes. Aber wer noch nicht den Nachtisch Ris á l’amande oder Mandelmilchreis kennt, der hat definitiv etwas verpasst. Nicht nur geschmacklich ist die Nachspeise spannend, sondern auch, weil es eine schöne Tradition dazu gibt. Dieser Mandelmilchreis wird in einer großen Schüssel serviert, dazu gibt es heiße Kirschen. Im Milchreis versteckt sich eine einzige ganze Mandel. Wer diese findet, dem ist Glück im folgenden Jahr versprochen und er erhält auch ein kleines Geschenk, die sogrannate Mandelgabe. Also ein bisschen wie die Tradition mit dem Gurkenbaumschmuck im Tannenbaum und dem kleinen Präsent für den, der es zuerst findet. Es gab ein Jahr, da gab es wirklich Genarsch bei uns zuhause, weil meine Mutter vergessen hatte, die ganze Mandel zu versenken. Also bitte nicht dieses kleine Detail bei dem Rezept vergessen.

Warum dieses Rezept zu mir gefunden hat, ist recht schnell erzählt. Wir sind nicht nur oft nach Dänemark gereist, sondern meine Eltern haben auch Dänisch in einem Abendkurs gelernt. Dort haben sie bei einer Muttersprachlerin Dänisch gelernt und recht schnell kamen dann solche dänische Traditionen auch zur Sprache, die dann einfach bei uns daheim adaptiert wurden.

Für eine Schüssel für 8 Personen benötigt ihr:

  • 250 g Milchreis
  • 1 Liter Milch (oder in meinem Fall Pflanzenmilch – ich nutze am liebsten Mandelmilch passend zum Geschmack)
  • 120 ml Wasser
  • 80 g gehackte Mandeln
  • 1 ganze Mandel
  • das Mark einer Vanilleschote
  • 5 EL Zucker oder Zuckerersatz, z. B. Erythrit
  • 250 ml Sahne (oder in meinem Fall vegane Sahne zum Schlagen)

Für die Kirschsauce:

  • 1 Glas Schattenmorellen
  • 1 Teelöffel Speisestärke
  • 2 EL Zucker (Zuckerersatz hat hier bei mir noch nicht funktioniert, aber ihr könnt es gerne testen und mir berichten)

Zubereitung

Wir benötigen einen großen Topf, in dem wir das Wasser aufkochen lassen. Kocht das Wasser, fügen wir den  Milchreis hinzu und lassen es für ca. 4 min kochen und rühren ab und zu. Dann kommen Milch, das ausgescharbte Mark der Vanilleschote und der Zucker dazu. Wer noch intensiveren Vanillegeschmack mag, kann auch die Vanilleschote zusätzlich beim Kochen dazugeben.

Alles erneut aufkochen. Dann bei niedriger Herdstufe weitere 30 Minuten quellen lassen und dabei regelmäßig umrühren. Ist das geglückt, könnt ihr den Milchreis abkühlen lassen und in eine große Schüssel umfüllen.

Das ist nur nur das Grundrezept für Milchreis nach dänischer Art. Den kann man auch so schon mit Butter und Zimt und Schlagsahne essen, wenn ich mich recht erinnere. Aber nun kommen wir dazu, was dieses Weihnachtsgericht so besonders macht.

Dann kommen schließlich noch zu guter Letzt die gehackten Mandeln in den Milchreis hinzu und natürlich nicht die ganze Mandel und das kleine Geschenk, die Mandelgabe hinzu. Ich empfehle tatsächlich, dies zu machen, während der Milchreis noch relativ warm ist, zu machen, weil dies einen ganz besonderen Geschmack gibt. Zu guter Letzt müsst ihr dann noch Schlagsahne steif schlagen und ebenfalls unterheben – dafür sollte der Milchreis dann kalt sein.

Es muss nicht unbedingt die traditionelle Kirschsoße sein. Bei diesem Gericht kann man sich gut und gerne auch mal geschmacklich austoben. Mein Favorit ist tatsächlich Birne-Zimt-Kompott. Aber traditionell ist es natürlich Kirschsoße, die man dazu reicht. Man kann dieses Grundrezept für die Soße allerdings gut mit jedem Obst umsetzen. Dabei eignet sich sowohl frisches Obst als auch Obst aus der Konserve.

Die Soße

Die Kirschsoße kann schon vorab zubereitet werden, sollte aber warm serviert werden – das schmeckt sehr gut im Kontrast zum kalten Milchreis.  Also bitte nie einfach Kirschsoße drüber. Natürlich kann man auch fertige Kirschsoße kaufen, eidänische gibt es auch hierzulande oft zu kaufen. Aber es ist schlichtweg nicht nötig, denn Kirschsoße zu machen ist vegan und sehr einfach.

Zuerst lässt man die Schattenmorellen abtropfen. Dann nimmt man 4 EL des abgetropften Kirschsaftes und verrührt die Speisestärke klümpchenfrei mit einem kleinen Schneebesen. Den restlichen abgetropften Kirschsaft kocht ihr mit Zucker auf und gibt dann die Speisestärke dazu, um das Ganze anzudicken. Zu guter letzt kommen die Kirschen dazu.

Obwohl die Soße natürlich sehr traditionell ist, habe ich auch hier schon öfters spielerische Varianten ausprobiert wie Birne-Zimt oder Pfirsich-Vanille. Soßen gehen wirklich einfach und man kann sowohl mit Konservenobst als auch mit frischen arbeiten, deswegen kann man sich hier wirklich kreativ und frei nach Geschmack austoben.

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